Ausbildung_2 Geld für die Ausbildung

Geld für die Ausbildung

Aus- und Weiterbildung ist auch in Zeiten steigender Nachfrage am Arbeitsmarkt essenziell. Damit die Finanzierung nicht zur unüberwindbaren Hürde wird, sollte man seine Möglichkeiten genau kennen. Ernst Haunholter, Leiter der Bildungsabteilung AK Tirol, führt in die heimische Förderlandschaft ein. Nach den angespannten Jahren läuft aktuell der Wirtschaftsmotor wieder rund, auch die Prognosen zeigen weiterhin nach oben.

Damit einhergehend ist auch eine verstärkte Nachfrage nach Arbeitskräften zu beobachten.

Die Aussicht auf einen neuen Arbeitsplatz sollte aber nicht zulasten des persönlichen Bildungsplanes gehen. Arbeitgeber schätzen in der Regel Weiterbildungsengagement! Wer mit dem Plan für ein passendes Bildungsangebot startet will, sollte gleichzeitig auch nach möglichen finanziellen Unterstützungen und Förderungen suchen. Diese lassen sich über Bildungsanbieter finden, über Bildungsdatenbanken, über die Förderstellen oder in persönlichen Beratungsgesprächen zum Beispiel bei der Arbeiterkammer.

Bei der möglichen Unterstützung gibt es zunächst jene zur Deckung der Kurskosten.

Die wichtigsten Fördergeber sind hier in der Regel der Arbeitgeber, das Land Tirol, das AMS und die AK Tirol. Eine andere Unterstützung bezieht sich auf die Unterstützung der Lebenshaltungskosten wie z. B. die Bildungskarenz, die Studienbeihilfe, das Fachkräftestipendium und die Ausbildungsbei­hilfe vom Land Tirol.„Wer mit dem Plan für ein passendes Bildungsangebot startet, sollte gleichzeitig auch nach möglichen finanziellen Unterstützungen und Förderungen suchen“.  Beispiele zu förderbaren Aus- und Weiterbildungen:

Beispiel 1 – Die EDV-Kenntnisse müssen verbessert werden:

Eine Technikerin interessiert sich nach der Kinder­pause wieder für die Arbeit in einem Planungsbüro und möchte sich im Vorfeld mit dem CAD-Programm vertraut machen. Für die zwei besuchten Kurse fallen insgesamt 1.300 Euro an Kosten an. Über die Update-Förderung vom Land Tirol bekommt sie 30 Prozent davon erstattet. Der Antrag muss online gestellt und die Richtlinien müssen unbedingt genau eingehalten werden. Ihr Partner interessiert sich für den Computerführerschein (ECDL) und will ebenso eine Beihilfe. Er muss allerdings die Erfahrung machen, dass der ECDL als Grundlagenkurs eingestuft ist und aus der Landesförderung fiel. Als AK-Mitglied kann er aber dort um die Zukunftsaktie als Finanzierungshilfe ansuchen.

Beispiel 2 – Nachholen des Lehrabschlusses:

Seit dem Abbruch der Handelsschule arbeitet ein junger Mann im Büro eines großen Industrieunternehmens. Er schätzt seine Arbeit und ist zufrieden, doch sein Schulabbruch belastet ihn weiterhin. So besucht er einen Vorbereitungskurs zur Lehrabschlussprüfung zum Bürokaufmann. Dafür fallen je nach Umfang zwischen 1.000 und 2.400 Euro an Kosten an. 30 Prozent dieser Summe fördert das Land Tirol im Rahmen der Update-Förderung, zusätzliche 20 Prozent werden bei positiv abgeschlossener Prüfung ausbezahlt. Die AK empfiehlt hier, die genauen Richtlinien, Förderkriterien und Fristen direkt beim Land Tirol zu klären. Wird die Lehrabschluss-Prüfung positiv bewertet, kann bei der AK eine zusätzliche Förderung in Höhe von 30 Prozent der Kurskosten beantragt werden.

Beispiel 3 – Berufsreifeprüfung als allgemeine Weiterentwicklung:

Eine Bankangestellte denkt über ihren zukünftigen beruflichen Werdegang nach. Da sie die speziellen Berufs­angebote bereits absolviert hat, interessiert sie sich für die Berufsreifeprüfung. In Tirol kann sie hier zwischen zwei Möglichkeiten wählen: die Tagesvariante oder die berufsbegleitende Abendvariante. Das Land Tirol fördert die Kurskosten in Höhe von rund 4.500 Euro im Rahmen der Update-Förderung zu 30 Prozent. Weitere 20 Prozent werden bei positiv abgeschlossener Prüfung ausbezahlt. Die AK fördert bei positiv abgeschlossener Prüfung noch einmal 30 Prozent der Kurskosten. So ergeben sich in Summe bis zu 80 Prozent geförderte Kurskosten, allerdings müssen dabei die Richtlinien des Landes Tirol sehr genau eingehalten werden. Sollte der Kurs zur Berufsreifeprüfung in der Tages­­variante gemacht werden (die ebenso wie die Abendvariante am BFI, WIFI oder auch im Haus der Begegnung angeboten wird), macht nach Möglichkeit eine einjährige Bildungskarenz Sinn. Während dieser Zeit bekommt sie monatlich ein Bildungsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes ausbezahlt. Eine weitere Fördermöglichkeit bei der Tagesvariante ist die Ausbildungsbeihilfe des Landes Tirol. Die Bildungskarenz ist nur mit der Zustimmung des Arbeitgebers möglich, für den dabei keine Kosten anfallen. Damit eine Bildungskarenz in Anspruch genommen werden kann, müssen die Arbeitslosen-Auflagen erfüllt sein. Das Bildungsgeld wird für maximal ein Jahr ausbezahlt, Voraussetzung ist eine Ausbildung, die mindestens 20 Wochenstunden umfasst. Die Bildungskarenz kann auch als Bildungsteilzeit beantragt werden, der Bezieher reduziert seine Arbeitszeit dabei um ein Viertel bis zur Hälfte.

Beispiel 4– IT-Kolleg mit Fachkräftestipendium:

Ein 27-jähriger Mann ist in der Gastronomie tätig. Sein Wunsch wäre ein Berufseinstieg im IT-Bereich. Dies trifft sich mit seiner Lebensplanung ideal, da sein befristetes Arbeitsverhältnis bald ausläuft. Er interessiert sich für das IT-Kolleg, welches zwei Jahre Vollzeit dauert, und hat sich gleich dort angemeldet. Eine Matura bringt er mit, da er vor dem Arbeiten die Höhere Lehranstalt für Tourismus besucht hat. Die Ausbildung bzw. das Kolleg für Informatik findet sich in der Liste der anerkannten Ausbildungen im Rahmen des Fachkräftestipendiums vom Bund. Er klärt mit dem AMS die genauen Voraussetzungen und könnte ab Herbst 2018 für die zweijährige Ausbildung aufgrund seines berechneten Arbeitslosengeldes etwas mehr als den Mindestsatz von 28,80 täglich bekommen. Weiterhin ist er über das AMS kranken-, unfall- und pensionsversichert. Da die Ausbildung kostenlos angeboten wird, ist für ihn eine zusätzliche Kurskostenförderung im Rahmen der „Fachkräfteförderung des Landes Tirol“ nicht relevant. Wohl aber die Bildungsbeihilfe für Schüler seitens der AK Tirol.

Beispiel 5 –  FH-Studium mit Bildungsteilzeit:

Ein Versicherungskaufmann mit HAK-Matura informiert sich an der FH Kufstein über den Bachelorstudiengang Facility Management & Immobilienwirtschaft. Die Inhalte und die Möglichkeiten überzeugen ihn und so studiert er nun berufsbegleitend. Für die Studienbeiträge muss er selber aufkommen, doch kann er sie wie andere Kosten in seine Arbeitnehmerveranlagung aufnehmen. Für die Abschlussarbeit am Ende des Studiums reduziert er für ein Semester seine Arbeitszeit auf die Hälfte und nützt für den Verdienstausfall die Bildungsteilzeit. Die Voraussetzungen sind ähnlich wie bei der Bildungskarenz, doch arbeitet er weiterhin in seinem Beruf und bekommt für den Gehaltsausfall das Bildungsteilzeitgeld.

Beispiel 6 –  Erstmaliger Beginn eines Studiums / Studieren mit Selbsterhalter-Stipendium:

Eine HTL-Absolventin arbeitet seit über drei Jahren bei einer Architektin und möchte nun selber in Innsbruck Architektur studieren. Die wichtigste Förderung klärt sie zunächst auf der Bundes-Stipendienstelle: Erfüllt sie die Voraussetzungen für ein Selbsterhalter-Stipendium? Mit ihren 22 Jahren liegt sie unter dem Höchstalter, aber die erforderlichen vier Jahre Selbsterhaltung hat sie noch nicht erreicht. Die wenigen fehlenden Monate kann sie aber mit der Bildungskarenz überbrücken, und so steht dem Studium nichts mehr entgegen. In der Beratung erfährt sie noch, dass allfällige Auszahlungen aus der früheren Mitarbeitervorsorgekasse während des Stipendienbezuges zum Einkommen gezählt werden und zu Rückzahlungen führen können. Nicht zum Einkommen gezählt wird ihre AK Bildungsbeihilfe für Studierende mit bis zu 690 Euro jährlich.

Weitere Informationen

Land Tirol – Arbeitsmarktförderung: www.tirol.gv.at/arbeit-wirtschaft/arbeit/arbeitsmarktfoerderung

Studienbeihilfenstelle: www.stipendium.at

AMS Tirol: www.ams.at/tirol

AK Tirol: www.ak-tirol.com

Tiroler Bildungskatalog: www.tiroler-bildungskatalog.at

Sammlung von Fördergebern: www.tirol.gv.at/foeam

Tiroler Bildungsgeld-Update: www.mein-update.at

Datenbank der Bildungsförderungen: www.kursförderung.at

Fachkräftestipendium

 Seit 1. Jänner 2017 kann das Fachkräftestipendium wieder in Anspruch genommen werden. Förderbar sind Ausbildungen gemäß der Bundesrichtlinie Fachkräftestipendium, die in den Jahren 2017 und 2018 begonnen oder wiederaufgenommen und zur Gänze in Österreich absolviert werden. Das Fachkräftestipendium sichert die materielle Existenz und gebührt für die Dauer der Teilnahme an der Ausbildung bis zu längstens drei Jahren. Die Unterstützung beträgt täglich mindestens 28,80 Euro bzw. die Höhe des berechneten Arbeitslosengeldes. Mehr über die Voraussetzungen und weitere Details erfahren Sie in der Bildungsberatung, in der AK-Broschüre „Mehr Zeit für Weiterbildung“ bzw. direkt beim AMS.

 Quelle: Bildung & Karriere in Tirol 2018

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