Gehaltsverhandlungen sind ein heikles Thema.

Was es für ein erfolgreiches Gespräch mit dem Chef braucht, weiß Bernadette Dollinger, Expertin für Personal und Organisation bei Connect Competence.

Der Zeitpunkt macht’s.

Wer den Chef um mehr Gehalt bitten will, sollte dies nicht aus heiterem Himmel tun. Ein abgeschlossenes Projekt oder besondere Erfolge im Job eignen sich optimal als Gesprächsgrundlage. Weniger Chancen auf eine Gehaltserhöhung hat man nach einem längeren Urlaub, der oft ruhigen Sommerzeit oder wenn man erst seit wenigen Monaten im Betrieb ist.

Vorbereitung.

Führungskräfte sind in Gehaltsverhandlungen meist rhetorisch stark, da sie diese Gespräche häufig führen. Deshalb ist gründliche Vorbereitung mit überzeugenden Argumenten das A und O. Es gilt, die eigenen Erfolge gut zu präsentieren, den Mehrwert aufzuzeigen und wenn möglich mit Zahlen und Fakten zu untermauern. Wie trägt die persönliche Tätigkeit zum Erfolg des Unternehmens bei? Das wollen Chefs in der Gehaltsverhandlung wissen. 

Der Ton macht die Musik.

Auch wenn das Gehalt ein sehr persönliches Thema ist, haben eigene Befindlichkeiten und Emotionen nichts im Gespräch verloren. Nur Vergleiche mit anderen Kollegen oder Unternehmen anführen wird nicht zum Erfolg führen. Auch persönliche Motive wie ein teurer Urlaub, Nachwuchs oder ein Immobilienkauf werden den Chef nicht überzeugen. Gewinnbringender ist eine konstruktive Gesprächskultur fokussiert auf die berufliche Leistung.

Zahlen, bitte!

Nicht nur um eine Gehaltserhöhung bitten, sondern auch konkrete Beträge nennen. Wer präzise angeben kann, wieviel er verdienen möchte, vermittelt Kompetenz und zeigt, dass er sich Gedanken gemacht hat.

Junge Einsteiger.

Gerade für Berufseinsteiger ist die Gehaltsverhandlung ein Drahtseilakt. In Stellenausschreibungen geben die gesetzlich verpflichtenden Angaben zum Mindestgehalt laut Kollektivvertrag eine erste Orientierung. Wer einschlägige Erfahrung oder zusätzliche Ausbildungen hat, kann aber mit einer teils weit höheren Entlohnung rechnen. Deshalb gilt es, sich über Gehaltsniveaus je nach Qualifikation, Branche und Firmengröße zu informieren und eine realistische Forderung zu machen.

Alternative Anreize.

Gerade in kleinen Betrieben kann es sein, dass zeitweise kein finanzieller Spielraum für mehr Gehalt da ist. Wenn die Bereitschaft des Chefs für eine Gehaltserhöhung klar besteht, gibt es jedoch noch andere Möglichkeiten: Zum Beispiel die Kostenübernahme für Aus- und Weiterbildungen, Fachseminare oder neue technische Ausrüstung wie Laptop oder Handy. In diesem Fall sollte man unbedingt einen weiteren Gesprächstermin vereinbaren und das Thema Gehalt nicht aus den Augen verlieren.

Quelle: Bildung & Karriere in Tirol 2019, Interview: Katharina Wildauer