Dass Unternehmen händeringend nach qualifiziertem Personal suchen, ist längst kein Geheimnis mehr. Employer Branding ist daher das Schlagwort der Stunde, wie Christian Bauer, Experte für Personal und Organisation, erklärt.
Anziehungskraft:

Guter Lohn als Gegenwert für gute Leistung der Mitarbeiter allein reicht heute nicht mehr aus. Die Arbeitswelt ist im massiven Wandel, die Bedürfnisse und Vorstellungen gerade der jüngeren Generationen entwickeln sich weiter. Unternehmen, die als attraktive Arbeitgebermarke aufgefasst werden, haben eine potenziell starke Bindungs- und Anziehungskraft der Mitarbeiter: Sie finden schneller die passenden Mitarbeiter, haben eine geringere Fluktuation und stärkere Identifikation der Belegschaft.

Was bringt’s?

Mitarbeitern und Bewerbern ermöglicht die klare Positionierung der Unternehmen mittels Employer Branding eine klare Erwartungshaltung: Welche Werte und Kultur hat ein Betrieb und welche Benefits werden geboten? Auch die wichtig erachtete Work-Life-Balance greift Employer Branding auf: So stehen flexible Arbeitszeitmodelle, Gesundheitsförderung und Weiterbildung ganz oben auf dem Wunschzettel der Mitarbeiter.  

Fleißaufgabe:

Mit Employer Branding ist die Entwicklung und Positionierung eines Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber gemeint. Das geht über den Recruiting-Prozess jedoch weit hinaus. „In Stellenanzeigen oft verwendete ,Zuckerl‘ wie ansprechendes Gehalt, Aufstiegschancen oder guter Teamzusammenhalt verpackt in Hochglanzkampagnen gehören mittlerweile zum Standardrepertoire“, weiß Christian Bauer. Richtiges Employer Branding ist jedoch mehr als reine Benefits – sondern eine glaubwürdige Arbeitgebermarke, die zur individuellen Unternehmenskultur, internen Prozessen und den Mitarbeitern passt.

Richtig gemacht …

… erhöht Employer Branding die Identifikation der Mitarbeiter, steigert die Leistung und verbessert die Effizienz. Es fällt leichter, gute Arbeitnehmer zu binden und qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Dazu braucht es vor allem Authentizität: „Wer nicht authentisch ist, verliert am Ende“, so Experte Bauer. Wer sich als attraktiver Arbeitgeber (intern und extern) positioniert, muss dies auch leben. Employer Branding kann nicht auf ein bis zwei Maßnahmen reduziert werden, sondern muss ganzheitlich und strategisch ausgerichtet sein. Differenzierung am Markt, Mut zur Innovation und zukunftsgerichtetes Denken tragen ebenso zum Erfolg bei.

Auf Tirolerisch:

Tiroler Unternehmen betreiben zusehends mehr Employer-­Branding-Aktivitäten. Laut Experte Christian Bauer fehle manchmal noch der Mut, eine Arbeitgebermarke mit Ecken und Kanten zu entwickeln. Der durchaus komplexe und aufwändige Prozess lohne sich jedoch für Klein- wie Großbetriebe gleichermaßen, um das Arbeitgeberprofil zu schärfen und die Attraktivität zu verbessern.

Zur Person

Dr. Christian Bauer ist Experte für Personal und Organisation und Geschäftsführer beim Tiroler Personal- und Organisationsberatungsunternehmen Connect Competence.

Quelle: top.arbeitgeber 2019, Text: Katharina Wildauer