Der Fachkräftemangel macht zu schaffen – gerade in Handwerk, Industrie und Tourismus. Das Potenzial des Employer Branding kennt man in diesen Branchen schon lange – und setzt gezielt auf starke Arbeitgebermarken.

Der Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften ist ein Dauerthema: Fachkräfte werden nicht nur in der gewünschten Quantität, sondern auch Qualität benötigt. Es geht nicht nur darum, ausreichend Mitarbeiter für einen Betrieb gewinnen zu können, sondern auch die richtigen. Weil qualifizierte Fachkräfte Mangelware sind, gilt es außerdem, bestehende Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.

Die Konkurrenz wird immer internationaler – umso mehr muss die Tiroler Industrie am Arbeitsmarkt für sich begeistern können.

Genau diese Personalherausforderungen adressiert Employer Branding, wie das Beispiel der Tiroler Industrie zeigt: „Sowohl im Personalrecruiting als auch in der Mitarbeiterbindung setzen Industriebetriebe auf professionelles Employer Branding“, erzählt Markus Hintner, stellvertretender Leiter der Sparte Industrie der Tiroler Wirtschaftskammer.

Faktor Mensch

Das Gehalt als alleiniger Hebel, um qualifizierte Arbeitskraft zu gewinnen und zu binden, reicht gerade in der Industrie nicht mehr aus. Work-Life-Balance, Entwicklungschancen sowie Benefits wie flexible Arbeitszeitmodelle und Gesundheitsförderung sind bekannte Stichwörter der Arbeitgeberattraktivität. „Employer Branding geht darüber hinaus und umfasst den Prozess, eine Arbeitgebermarke zu entwickeln, sich am Markt zu positionieren und von Mitbewerbern abzuheben“, erklärt der Spartenvertreter der Wirtschaftskammer.

Gerade in heiß umkämpften Branchen wie der Industrie sei Employer Branding unumgänglich. Schließlich konkurrieren Tiroler Betriebe im Kampf um die besten Arbeitskräfte nicht nur mit namhaften Großunternehmen und Weltmarktführern, sondern auch mit überregionalen Mitbewerbern: „Die Konkurrenz wird immer internationaler – umso mehr muss die Tiroler Industrie am Arbeitsmarkt für sich begeistern können.“ Deshalb gehe der Trend schon seit Jahren weg vom inszenierten Hochglanzmarketing hin zu authentischen Employer-Branding-Kampagnen. „Eine erfolgreiche Arbeitgebermarke baut auf der Unternehmenskultur auf, stellt den Mitarbeiter als Mensch in den Mittelpunkt und vermittelt reale, emotionale Botschaften. Was nach außen kommuniziert wird, muss innen so gelebt werden“, so Markus Hintner.

Faktor Produkt

In produzierenden Branchen muss Employer Branding aber noch einen Aspekt umfassen: das Produkt. „Je greifbarer und identitätsstiftender das produzierte Gut ist, desto einfacher für Unternehmen, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu binden“, sagt Hintner. Die Herstellung von Sportautos sei auf den ersten Blick spannender als jene von Holzplatten. Deshalb arbeiten Industriebetriebe in Tirol gezielt daran, die Vielfalt der gefertigten Produkte darzustellen und Begeisterung bei Mitarbeiter und Bewerber zu wecken.

Zur Person

Markus Hintner ist Stellvertreter der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Tirol. Als Leiter des Arbeitskreises Personalleiter beschäftigt er sich intensiv mit Personalthemen von Tiroler Industrie­betrieben.

Quelle: top.arbeitgeber 2019, Text: Katharina Wildauer