Christoph_Walser_WKO Ein Blickwinkel auf die Krise von Christoph Walser

Ein Blickwinkel auf die Krise von Christoph Walser

Die aktuellen Ereignisse suchen ihresgleichen – sowohl global als auch in Tirol. Die Covid-19-Pandemie hat die Wirtschafts- und Arbeitswelt auf den Kopf gestellt – und wird sie so schnell wohl auch nicht mehr loslassen.

Alleine für Tirol bedeutet die Pandemie derzeit Kurzarbeit für 97.942 Menschen und 41.000 Arbeitslose* – in einem sprunghaften Anstieg, der seit den Weltkriegen seinesgleichen sucht. Darüber, was all das für die Tiroler Wirtschaft heißt, was auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber zukommt, und was wir tun können, um die Krise zu übertauchen, haben wir mit Christoph Walser gesprochen.

Wie wird sich die Tiroler Wirtschaft in den kommenden fünf Jahren entwickeln beziehungsweise verändern?

CHRISTOPH WALSER: Der Neustart der Tiroler Wirtschaft ist die gemeinsame große Herausforderung für Politik und Sozialpartnerschaft in den kommenden Jahren. Wir müssen die Balance zwischen der Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und einer gesunden Internationalisierung finden – Tirol ist keine Insel, sondern besonders im Export und im Tourismus auf den Austausch mit anderen Ländern angewiesen.

Was bedeutet das für Arbeitgeber?

Das größte Kapital für unsere Betriebe stellen die Mitarbeiter dar. Arbeitgeber müssen ihre Anstrengungen in der Aus- und Weiterbildung weiter ausbauen – auch bei den Lehrlingen. Die Digitalisierung ist in allen Branchen für Betriebe und ihre Mitarbeiter ein großes Thema. Geschäftsreisen werden in Zukunft sicher zurückgehen – oft geht das mit Videokonferenzen.

Was würden Sie besonders betroffenen Branchen empfehlen?

Im Tourismus müssen wir noch stärker als bisher den Fokus auf Qualität und Nachhaltigkeit legen. Darüber hinaus braucht es gezielte Werbe- und Imagekampagnen, die Rückenwind für den Neustart bringen. Im Handel wird sich der Trend verstärken, dass es zusätzlich zu stationären Geschäften auch eine Online-Präsenz braucht. Dieser Zug zur Digitalisierung geht aber weit über den Handel hinaus und betrifft alle Branchen unserer Wirtschaft.

Was erwartet sich die Wirtschaftskammer Tirol mittelfristig vom Gesetzgeber?

Die Unternehmen benötigen jetzt dringend Liquidität, Kredite reichen nicht. Es müssen Fixkostenzuschüsse unterjährig fließen und zwar rasch. Es gibt diesbezüglich positive Signale aus dem Bund. Und dem Land haben wir gerade unseren Vorschlag für eine Impulsförderung, den KMU-Scheck, vorgelegt. Mittelfristig erwarten wir uns vom Gesetzgeber, dass er den Betrieben ermöglicht, Eigenkapital aufzubauen und dadurch widerstandsfähiger gegen Krisen zu werden. Dazu muss die Politik die Steuerreform vorziehen, teure und zeitraubende Bürokratie abbauen und Investitionsanreize setzen.

Quelle: top-arbeitgeber Mai 2020, Fotonachweis: Franz Oss

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