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Gerade in unsicheren Zeiten sind Weiterbildung und Lernen wichtiger denn je. Das zeigt auch der Digitalisierungsboom, den die Berufs- und Bildungswelt im letzten Jahr erlebt hat. Neues zu lernen, sich weiterzubilden oder erfolgreich die Karriere zu starten, können auch von zuhause aus gelingen. In dieser Ausgabe erklären wir daher, wie erfolgreiches Onlinebewerben geht, geben Tipps für digitale Fortbildungen und stellen Weiterbildungs- und Fördermöglichkeiten für einen beruflichen Neustart in Pflege- und Sozialbetreuungsberufen vor. Wir wünschen eine interessante Lektüre und viel Erfolg für Ihre berufliche Zukunft.

Karriere

  • Wissenschaft als Karriere: Zwei Forscherinnen erzählen
  • Einstellungssache: Personalverantwortliche über den Karrierestart
  • Erfolgreich (online) bewerben: Tipps von Recruiting- und Businessexpert*innen
  • Digitalisierungsboom in der Tiroler Wirtschaft

Lehre

  • Tiroler Lehrbetriebe stellen sich vor
  • Erfolgsgeschichten: Mit Lehre alles richtig gemacht
  • Der Weg nach oben: Persönlichkeiten über ihren Werdegang
  • Gut beraten zur Traumkarriere

Bildung

  • Geld für Bildung: Förderungen im Überblick
  • Lebenslanges Lernen: Erwachsenenbildungseinrichtungen stellen sich vor
  • Neues an den Tiroler Hochschulen
  • Young Money: Über den richtigen Umgang mit Geld
  • Neustart in der Pflege: Förder- und Berufschancen im Überblick
  • Digitale Weiterbildung: Die interessantesten e-Learning-Plattformen

Hier können Sie Bildung und Karriere als e-Paper online lesen!

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Egal ob online oder offline, mit diesen Tipps von Businesscoach Judith Heizer hat man bei jedem Bewerbungsgespräch die Nase vorne.

Was hilft gegen eine nervöse, zittrige Stimme?

• Gute Vorbereitung, Situation durchspielen
• Genug Zeit vor dem Gespräch einplanen, damit man sich in Ruhe vorbereiten kann
• Wenn es sehr offensichtlich ist: Nervosität ansprechen
• Atmen!

Wie verhandle ich mein Gehalt?

  • Auf einschlägigen Websites nach üblichen Gehältern in der Branche suchen. Auch viele Jobbörsen informieren zu Gehältern.
  • Falls der Gehaltswunsch deutlich abweicht, mit Ausbildung, Berufserfahrung, Spezialkenntnissen etc. argumentieren („Aufgrund von ... sehe ich mich hier in der Stufe xy …“).

Übung macht den Meister!

Es ist durchaus sinnvoll, sich auch für Jobs zu bewerben, die man nicht zu 100 Prozent will. So kann man Erfahrung im Verhandeln sammeln und den eigenen Marktwert checken. Und vielleicht bekommt man ein so gutes Angebot, dass es dann doch passt – oder man bringt sich für andere Jobs in der Firma ins Spiel.

Fünf gute Fragen, die man dem zukünftigen Arbeitgeber stellen sollte

  • Wie sieht mein Arbeitsplatz aus und mit wem arbeite ich direkt zusammen?
  • Wie gestaltet sich meine Einarbeitungsphase und woran würden Sie meine Arbeit in den ersten 90 Tagen messen?
  • Wann sind Mitarbeiter*innen für Sie gut, wann herausragend?
  • Wie werde ich in Ihrem Unternehmen erfolgreich?
  • Warum arbeiten Sie in diesem Unternehmen?

Immer Authentisch bleiben!

Auch wenn man versucht, einen bestmöglichen Eindruck zu machen, sollte man trotzdem die Person bleiben, die man ist. Ein bisschen „Pimpen“ ist natürlich okay! „Aber wenn ich mich völlig anders präsentiere, als ich bin, stellt sich auch die Frage: Wie glücklich bin ich dann in diesem Job?“, gibt Businesscoach Judith Heizer zu bedenken.

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In welchen Bereichen suchen Sie derzeit nach neuen Mitarbeiter*innen?

Wir sind immer auf der Suche nach Steuertalenten. Aktuell suchen wir Verstärkung im Bereich der Personalverrechnung und eine*n Jungsteuerberater*in, die es sich zum Ziel gesetzt hat, zukünftig als Kanzleipartner*in einzusteigen.

Wie viele Bewerbungen bekommen Sie circa im Jahr?

Wir hatten im abgelaufenen Jahr fast 60 Bewerbungen.

Was ist Ihnen bei einem Bewerbungsgespräch wichtig?

Es nützt auf lange Sicht niemandem, wenn sich jemand beim Bewerbungsgespräch verstellt. Sowohl wir als auch die Bewerber* innen müssen offen über die zukünftigen beruflichen Pläne und Erwartungen sprechen.

Wie sollten die Bewerbungsunterlagen aussehen?

Der Erstkontakt muss bei uns das Interesse erwecken. Wir sind hier sehr flexibel geworden. Damit ein*e Bewerber*in jedoch in die nächste Stufe des ausführlichen Bewerbungsgesprächs kommt, ist es bei uns Voraussetzung, dass ein Motivationsschreiben samt vollständigem Lebenslauf vorliegt.

Gibt es Präferenzen in puncto FH- oder Universitätsabschluss?

Nein, wir leben nach dem Motto: Jeder und jede kann alles lernen, wenn er oder sie nur will.

Nähere Infos zum Arbeitgeber!

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Durch die Coronapandemie verlagert sich unser Leben mehr und mehr in den digitalen Raum. Auch Bewerbungsgespräche finden aufgrund von Kontaktbeschränkungen immer häufiger online statt. Recruitingexperte Christian Bauer verrät, was es beim Onlinejobinterview zu beachten gibt.

Kommunikation immer mehr ins Digitale verschoben

Das Coronavirus wird die Welt nachhaltig verändern, vor allem die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren und arbeiten. Bereits vor dem Ausbruch der Pandemie hat sich unsere Kommunikation immer mehr ins Digitale verschoben – Covid-19 wird diese digitale Transformation jetzt noch beschleunigen. Diesen Trend bestätigt auch Christian Bauer, Geschäftsführer beim Tiroler Personal und Organisationsberatungsunternehmen Connect Competence: „Der ganze Bewerbungsprozess hat sich ‚digitalisiert‘ und damit auch die Bewerbungsgespräche – zumindest die Erstgespräche.“ Obwohl bereits vor der Coronakrise immer mehr digitale Tools im Bewerbungsprozess eingesetzt wurden, sind sie durch die Kontaktbeschränkungen der letzten Monate zum neuen Standard geworden. Videocalls und digitale Bewerbungsgespräche sind also gekommen, um zu bleiben, vor allem, wenn es um eine erste Vorauswahl von der Kandidat*innen geht. Die feinen Unterschiede Auch wenn das Bewerbungsgespräch online ähnlich abläuft wie bei einem Meeting face to face, gibt es doch feine Unterschiede, die für ein erfolgreiches Interview entscheidend sein können.

Persönlichkeitsdimensionen

Einer der größten Unterschiede zu einem persönlichen Gespräch ist, dass man sein Gegenüber nicht wie gewohnt in allen Persönlichkeitsdimensionen wahrnehmen kann: „Die so wichtige Körpersprache, die einen Großteil unserer Wahrnehmung ausmacht, lässt sich nicht mehr in der Gesamtheit beurteilen – das fordert Interviewer*innen mehr in der Beobachtung der ‚sichtbaren Teile‘ und auch der Interpretation“, erklärt der Experte. Deshalb richtet sich die Aufmerksamkeit mehr auf die Mimik und die Stimme, wodurch beide mehr Gewicht in der Beurteilung der Bewerber*innen erhalten: „Unangebrachte Formulierungen oder ständige ‚Ähs‘ und ‚Öhms‘ werden stärker wahrgenommen. Passende Gesten, die eine Aussage noch überzeugender machen können, rücken in den Hintergrund. Zudem spielt auch die Tonqualität eine Rolle. Das ist zwar Technik, aber sie wird unbewusst wohl oft Teil des digitalen Gesamteindruckes“, erinnert Bauer.

Andere Bewertungskriterien

„Im Onlinegespräch findet der übliche Small Talk kaum mehr statt. Die Möglichkeit, dadurch Sympathiepunkte zu sammeln, hat sich reduziert“, erläutert Bauer. Durch das Fehlen einer breiten Palette von kommunikativen Signalen fokussieren sich Recruiter stärker auf den Inhalt des Gesprächs. Damit kann es auch schneller vorkommen, „dass wenn es nicht von Anfang an gut läuft, digitale Gespräche – aufgrund der fehlenden persönlichen Interaktion – eher beendet bzw. gekürzt werden. Damit haben Bewerber*innen oft weniger Chancen, die eine oder andere Anfangsschwäche auszugleichen“, erklärt Bauer.

Obwohl eine gute Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch schon immer wichtig war, ist es bei Onlinegesprächen noch einmal wichtiger, ein paar Testläufe mit Familie und Freunden zu machen, um zum einen die Technik zu 100 Prozent im Griff zu haben und zum anderen sicher, selbstbewusst und mit einem fundierten Konzept in das Onlineinterview zu starten.

Persönlicher Kontakt entscheidend

Durch die Veränderungen, die die Covid-19-Pandemie mit sich gebracht hat, haben viele Unternehmen, wenn auch manchmal gezwungenermaßen, gelernt, die Vorteile der Digitalisierung für sich zu nutzen. Bei der letzten Entscheidung, welche*r Bewerber*in am besten zum Unternehmen passt, wird aber auch in Zukunft der persönliche Kontakt entscheidend sein, wie Bauer abschließend zusammenfasst: „Um eine*n Kandidat*in aber in ihrer Gesamtheit als Persönlichkeit zu erfassen, benötigen wir nach wie vor eine Face-to-Face-Interaktion, und das live.“

Tipps für ein gelungenes Online-Bewerbungsgespräch

  • Pünktlich sein! Beim Onlinegespräch gibt es keine Ausreden mehr.
  • Besser overdressed als underdressed (je nach Branche muss es aber nicht unbedingt ein Kostüm oder Anzug sein).
  • Zusätzlich sollte man darüber nachdenken, wie die Farben des Outfits am Bildschirm ankommen. Weiße Kleidung lässt einen oft blass aussehen.
  • Grundregeln der Höflichkeit einhalten.
  • Ein bisschen Maske muss sein! Das Gesicht und die entsprechende Pflege sind sehr präsent. Das gilt auch für Männer.
  • Die Stimme rückt online in den Vordergrund – ruhig und deutlich sprechen, damit das Gegenüber einen gut versteht.
  • Um digital Blickkontakt aufzunehmen, muss man direkt in die Kamera schauen. Das sollte geübt werden.
  • Selbstbewusst, aber nicht arrogant auftreten.

Was bei einem Videocall zu beachten ist?

  • Die technische Vorbereitung ist besonders wichtig, da schlechte Kameraeinstellungen und technische Störungen meist unbewusst mit in die Bewertung einfließen.
  • Die Lichtverhältnisse im Auge behalten. Am besten ist indirektes Licht von vorne und leicht unten.
  • Die Situation üben und durchspielen, am besten Feedback einholen zu Stimme und Mimik.
  • Die Kamera auf Augenhöhe platzieren, dann funktioniert auch der digitale Augenkontakt.
  • Auf Hintergrund achten! Unangebrachte Poster oder herumliegende Kleidung machen einen schlechten Eindruck.
  • Den richtigen Abstand zur Kamera finden – zu nah wirkt unangenehm.